Schorsch's Sprüche

Brauer Schorsch und seine Sprüche

Das weiß Brauer Schorsch: "Ein Mädchen und ein Schoppen Bier kurieren alle Not und wer nicht trinkt und wer nicht küsst, der ist so gut wie tot."

Weisheit von Brauer Schorsch: „Gemütlichkeit wird da gefunden, wo Bier, Durst und Humor verbunden.“

Brauer Schorsch sagt: „Das einzige Gemüse, das ich mag, ist Bier.“

Weisheit von Brauer Schorsch: „Ein reiner frischer Gerstensaft, gibt Herzensmut und Muskelkraft.“

Tipp von Brauer Schorsch: „Bier ist unter den Getränken das Nützlichste, unter den Nahrungsmitteln das Schmackhafteste Und unter den Arzneimitteln das Angenehmste.“

Tipp von Brauer Schorsch: „Der kluge Mensch, glaubt es mir, der redet nicht und trinkt sein Bier.“

Weisheit von Brauer Schorsch: „Nur Wasser trinkt der Vierbeiner, der Mensch, der findet Bier feiner.“

Brauer Schorsch weiß: „Durst wird durch Bier erst schön!“

Motto von Brauer Schorsch: „Sechs Bier sind eine Mahlzeit, bestell sieben – du willst ja auch was trinken.“

Lebensmotto von Brauer Schorsch: „Trink, aber sauf nicht. Red’, aber rauf nicht!“

Weisheit von Brauer Schorsch: „Wer gutes Bier nicht köstlich find, ist auf der Zunge farbenblind.“

Brauer Schorsch sagt: „Denn wenn ich Bier trinke, singe, lache, hab’ ich im Leben nix versäumt, wovon manch anderer doch nur träumt."

Weisheit von Brauer Schorsch: „Sogar die Liebe ist vergänglich, nur der Durst bleibt lebenslänglich“

Brauer Schorsch weiß: „Herrlich ist der Gerstensaft, gibt mir Mut und gibt mir Kraft!“

Motto von Brauer Schorsch: „Jedem Tierchen sein Pläsierchen und für mich ein lecker Bierchen.“

Brauer Schorsch spricht: „Auch Wasser ist ein edler Tropfen, mischt man es mit Malz und Hopfen.“

Lebensmotto von Brauer Schorsch: "Jedem Tierchen sein Pläsierchen und für mich ein lecker Bierchen."

Brauer Schorsch weiß: "Ein Bier ohne Schaum ist wie ein schlechter Traum."

Herzlichen Dank für weitere Sprüche, eingesendet von Gerhard Schönemann:

Erst wenn Schorsch's Haustrunk im Glase zischt,
bist du dem Stress entwischt.

Beim Skat in Gasthaus oder zu Haus in guter Stube,
stets ist Brauer Schorsch des Kreuzes Bube.

Sind zusammen Vater, Mütter, Onkel, Tante, Neffen -
Schorsch's Haustrunk gehört zu ihrem Treffen

Ob durch Urwald oder Wüste,
im Landesinnern oder Küste -
im Nebel oder in der Luft ganz klar
der schönste Moment war –
als Brauer Schorsch mich grüßte!

Der eine trinkt nur wenig, der andere viele Liter
der eine mag es süß, der andere herb oder bitter.
Ob im Glas ganz offen, Flasche oder Fass,
ob es draußen trocken oder nass,
ich trink Schorsch's Haustrunk - mein edler Ritter.

Sind die Knochen auch schon morsch,
noch immer schmeckt der Brauer Schorsch!

Ob im Süden, Norden, Osten und auch Westen,
Schorsch's Haustrunk schmeckt mir am Besten.

Statt im Trüben herum zu fischen,
lass‘ ich den Brauer Schorsche zischen.

Für mich das ist doch klar,
Schorsch's Haustrunk gehört in jede Bar.

Ich sitze hier und Angel schon so lang -
Schorsch's Haustrunk ist stets der beste Fang.

Das ist unser Wunsch und unsere stete Bitte:
Schorsch's Haustrunk gehört in unsere Mitte.

Ob Ahle Wurscht, Braten oder Schinken,
ideal dazu, ein Schorsch's Haustrunk zu trinken.

Sind die Knochen auch schon morsch,
noch immer schmeckt der Brauer Schorsch!

Kaum sind unsere Gläser leer, ertönt ein Schrei daher. Einstimmig tönt's aus vielen Kehlen, von den Durst gequälten Seelen: Neues Brauer Schorsch muss her.
 

Herzlichen Dank für diese Geschichte, eingesendet

von Anita Koschorrek-Müller:

Er ist dann mal eben weg...
eine Geschichte rund um den Bartenwetzer

von Anita Koschorrek-Müller -
seit zehn Jahren Dauergast in Melsungen

1. Kapitel
Mein freier Tag

Am Freitag, in der Morgendämmerung, verlasse ich mein Zuhause, mein Türmchen auf dem Rathaus. Einmal im Jahr gönne ich mir dieses Vergnügen, denn auch ein Wahrzeichen braucht mal eine kleine Abwechslung, einen Tapetenwechsel. Seid ewigen Zeiten stehe ich dort oben, darf zweimal am Tag vor die Tür und werfe dann einen Blick auf die Melsunger zu meinen Füßen. 
Mein erster Weg führt mich heute, wie jedes Jahr, zum Fluss, meiner Fulda. Ich rumple die Brückenstraße entlang und biege dann rechts ab. Schon bald erreiche ich den grünen Uferstreifen. Hier, zwischen Schilf und Gebüsch, kann ich mich vortrefflich vor den Augen der Melsunger verstecken. Da ich mich auf Kufen fortbewege, bin ich in meiner Mobilität doch etwas eingeschränkt. Ich rutsche langsam vorwärts ans Flussufer und suche dort ein verborgenes Plätzchen. Mist! Der Untergrund ist morastig und abschüssig. Ich spüre, dass meine Kufen immer tiefer einsinken. Schnell zurück auf festeren Boden. Das fehlte noch, dass ich hier stecken bleibe, man mein Verschwinden bemerkt und dann eine Großfahndung ausgelöst würde. Die Schlagzeilen in der HNA kann ich mir schon vorstellen: „Bartenwetzer gekidnappt! Hundertschaften der Polizei durchkämmen die Umgebung von Melsungen!“ Ich versuche mein Glück an einer anderen Stelle am Ufer, nahe einer Trauerweide. Hier ist der Boden fest und eben und die überhängenden Äste der Trauerweide sind ein idealer Sichtschutz. Den ganzen Tag verbringe ich hier, sehe den Enten und Schwänen zu, beobachte die Fischreiher, sehe die Kanuten vorbeifahren, die die Schleuse bei der Brücke passiert haben und lausche der Fulda. Vom Türmchen auf dem Rathaus kann ich die Fulda und meine Brücke leider nicht sehen. Daran hat wohl niemand gedacht, als man mir, dem Wahrzeichen von Melsungen, den Arbeitsplatz einrichtete.
Ein wunderbarer Tag an der Fulda neigt sich nun dem Ende und der Abend senkt sich über die Flusslandschaft. Jetzt muss ich nur noch abwarten bis es ganz dunkel ist. Dann will ich weiter, denn ich habe noch eine Verabredung auf meiner Brücke. Es schlägt elf. Gott sei Dank läuft die Uhr im Rathausturm auch ohne mich. Ich wühle mich aus dem Dickicht am Ufer, rutsche über die Wiese zur Promenade. Bald habe ich die Brücke erreicht. Hoffentlich hat niemand Im Bitzen aus dem Fenster geschaut. Aber es bleibt alles still. Ich rumple weiter und auf der Bank in der Mitte der Brücke habe ich ihn schon entdeckt, meinen Freund, den Schorsch. Die Begrüßung ist wie immer herzlich.
„Hallo Schorsch, wie geht’s dir? Habe dich schon längere Zeit nicht mehr gesehen.“
„Gut, danke der Nachfrage. Die Arbeit in der Brauerei nimmt mich ganz schön in Anspruch. Ich habe dir etwas Gutes mitgebracht. Unsere neue Biersorte, den Haustrunk. Willst du mal probieren?“
Schorsch zieht unter der Bank eine Kiste Bier hervor, entnimmt zwei Flaschen, öffnet sie und stellt eine vor mich hin.
„Mensch Schorsch, du bist wirklich ein echter Freund! Na, denn, Prost!“
„Wie war's denn heute an der Fulle?“, will Schorsch wissen.
„Wie immer ein wunderbares Erlebnis.“
Schorsch meint: „Tut es dir eigentlich nicht leid, dass du von deinem Türmchen auf dem Rathaus nur eingeschränkte Sicht hast? Wenn ich da an den Herkules in Kassel denke, der ist doch wesentlich besser dran, Rundumsicht in alle Himmelsrichtungen!“
„Aber Schorsch, wie kommst du denn auf die Idee. Ich würde doch Melsungen niemals gegen Kassel eintauschen und außerdem habe ich ein Dach über dem Kopf. Davon kann der Herkules doch nur träumen. Der steht doch seit Jahr und Tag nackig, blackig auf seinem Podest, bei Wind und Wetter, und hält seinen Allerwertesten in die Sonne, von dem Rest ganz zu schweigen.“
Schorsch ist überrascht. „Von der Seite habe ich das noch nie betrachtet!“
„Von welcher Seite? Von vorne oder von hinten?“
„Witzbold!“ Schorsch lacht. „Aber mich wundert es doch jedes Jahr, dass die Melsunger nicht bemerken, wenn du einmal im Jahr, und das doch schon seit Jahrzehnten, dein Türmchen verlässt. Jetzt warst du doch heute um zwölf und um sechs nicht auf deinem Posten und das ist niemandem aufgefallen.“
„Mein lieber Schorsch, ich bin zwar das Wahrzeichen von Melsungen, aber die Melsunger beachten mich kaum noch. Ich bin eben selbstverständlich geworden. Da geht man nicht extra zu meinen Arbeitszeiten zum Marktplatz und guckt hoch. Wer jedoch zufällig, gerade zu richtigen Zeit, vorbei kommt, riskiert schon mal einen Blick und deshalb bemerkt auch niemand, wenn ich einmal im Jahr nicht da oben stehe und mein Beil wetze. Oder meinst du vielleicht, die Kasseler würden registrieren, wenn der Herkules mal sein Standbein wechselt?“
„Ja macht der das denn?“, Schorsch ist verblüfft.
„Aber sicher doch! Ab und zu muss das schon sein, sonst kriegt der doch 'nen Krampf.“
„Und kein Kasseler merkt das?“, Schorsch grinst ungläubig.
„Natürlich nicht! Ich habe heute zwei Auftritte verpasst und kein Melsunger hat's gemerkt. Die paar Touristen, die heute auf dem Marktplatz standen und auf mich gewartet haben, waren natürlich enttäuscht und haben sich halt gedacht, ich wäre zu Reparatur.“
„Das leuchtet ein. Schließlich warst du das ja auch schon mal.“
„Na ja , Reparatur ist doch etwas übertrieben. Ich war zur Kur! So klapperig bin ich ja noch nicht.“
Schorsch nickt zustimmend: „Du hast Recht. Für dein Alter bist du noch ganz schön rüstig. Willst du noch 'ne Flasche?“
„Klar doch! Schmeckt übrigens ausgezeichnet dein neuer „Haustrunk“. Still! Da kommt jemand!“
Eine Frau schlendert über die Brücke und bleibt stehen. Im Licht der Straßenlaternen können wir erkennen, dass sie neugierig zu uns herüberschielt. „Pass mal auf“, flüstert Schorsch, „die sind wir gleich los.“ „Hallo, guten Abend schöne Frau, Lust auf ein Fläschchen Bier?“, grölt Schorsch und schwenkt eine Flasche Haustrunk durch die Luft. Ruckartig wendet sich die Frau ab und eilt über die Brücke in Richtung Vorstadt.
„Und wenn die jetzt zu uns gekommen wäre, auf eine Flasche Bier?“
„Dann hätten wir ein Problem gehabt“, lacht Schorsch, „Aber die Chance, dass sich eine Frau allein, um Mitternacht, mit zwei fremden Trunkenbolden vergnügt stehen 1 zu 1000. So etwas nennt man Frauenversteher oder Menschenkenntnis, aber davon verstehst du nichts. Oder?“
„Da hast du wohl recht. Mit den Menschen kenne ich mich nicht so gut aus und mit den Frauen schon gar nicht. Obwohl ich doch alle Melsunger kenne, denn jeder kommt im Laufe der Zeit mal über den Rathausplatz marschiert und ich habe ein sehr gutes Gedächtnis. Mach mal noch eine Flasche auf, die Nacht ist noch jung.“
So sitzen wir noch eine ganze Weile beisammen, mein Freund Schorsch und ich, bis es von der Rathausuhr drei schlägt.
„Schorsch, ich muss los. Heute Mittag um zwölf muss ich wieder pünktlich zur Arbeit.“
„Moment!“, der Schorsch greift in seine Jackentasche, „Zum Abschied noch ein Absacker, ein „Melsunger Markttröpfchen“, und zaubert ein Fläschchen und zwei Gläser hervor.
„Mensch Schorsch, du hast aber auch an alles gedacht!“
„Prost Bartenwetzer!“ „Prost Schorsch!“
Mein rechtes Ellenbogengelenk quietscht etwas. „Das ist mein Tennisarm. Das kommt von der einseitigen Belastung zwei Mal am Tag“, entschuldige ich mich.
„Ein Tropfen Öl würde da Wunder wirke. Ich rede mal mit dem Hausmeister im Rathaus“, verspricht Schorsch.
Wir verabschieden uns. „Mach's gut. Bis nächstes Jahr.“
„Mach's besser. Man sieht sich, mittags um zwölf oder abends um sechs.“
Der Schorsch räumt das Leergut zusammen und ich mache mich auf den Weg zum Marktplatz. Bei dem Geräusch, das meine Kufen auf dem Pflaster verursachen, müssten die Melsunger eigentlich aus den Betten fallen, aber sie schlafen tief und fest. Endlich habe ich mein Rathaus erreicht und kämpfe mich die Stiegen hinauf in mein Türmchen. Ein paar Stunden habe ich noch, bis ich um zwölf zur Arbeit erscheinen muss. Doch heute ist Samstag, da ist es immer etwas unruhiger, denn dann ist Markt auf dem Rathausplatz. Manchmal spielt auch eine Musikkapelle. Eigentlich ganz nett, aber heute könnte ich drauf verzichten.

2. Kapitel
Plemplem?

„Becker“ „Hallo Margrit, ich bin's die Anita. Ich wollte dir nur Bescheid sagen, dass wir wieder gut zu Hause angekommen sind.“
„Ja, schön. Schade, dass euer Urlaub schon wieder vorbei ist.“
„Margrit, ich muss dir noch etwas erzählen, aber halte mich bitte nicht für verrückt. Ich glaube, ich habe gestern Abend auf der Brücke den Bartenwetzer gesehen.“
„Aber sicher hast du das. Auf der Brücke stehen zwei Bartenwetzerfiguren, das weißt du doch.“
„Nein, die meine ich nicht. Ich meine doch den Richtigen, den aus dem Turm auf dem Rathaus.“
„Das kann nicht sein. Wie kommst du denn da drauf?“
„Ich bin doch gestern Abend ziemlich spät nach Hause gegangen und auf der Bartenwetzerbrücke, bei der Bank, saßen zwei Gestalten, ein Mann und noch einer, und der sah aus wie der Bartenwetzer.“
„Also Anita, meinst du nicht, das hast du dir nur eingebildet?“
„Nein, nein. Ich habe diese zwei Gestalten genau beobachtet. Ein Mann saß auf der Bank in der Mitte der Brücke und ihm gegenüber stand der Bartenwetzer. Der Oberkörper genau wie die Figur im Rathausturm auf einem großen Quader mit Kufen unten drunter. Der Mann hat mir dann zugerufen, ich solle eine Flasche Bier mit ihnen trinken und da habe ich es mit der Angst gekriegt und bin schnell weiter.“
„Hattest du schon etwas getrunken? Mir kannst du es doch sagen!“
„Nein Margrit, ich war stocknüchtern! Ich dachte mir schon, dass mir das keiner glaubt, aber ich bin mir 100 Prozent sicher, dass die Figur neben diesem Mann auf der Bank der Bartenwetzer war. Und soll ich dir noch was sagen, dann hältst du mich  wahrscheinlich für vollkommen plemplem, die Figur hat geredet.“
„Ach Anita, ich glaube die lange Fahrt hat dich überanstrengt. Schlaf dich erst mal richtig aus, du wirst sehen, das tut dir gut und melde dich, wenn es dir wieder besser geht. Tschüss!“
„Tschüss Margrit! Äh, du könntest nicht vielleicht heute mal zum Rathaus gehen und gucken, ob er noch da ist?“
„Wer?“ „Der Bartenwetzer natürlich!“
„Na meinetwegen, ich geh mal nachsehen, aber dann vergisst du die ganze Sache.“
„Ja, das mache ich. Trotzdem vielen Dank!“

3. Kapitel
Am Samstag

Herrschaftszeiten, muss das denn sein? Es ist gerade mal elf und ich könnte noch eine Stunde ruhen, da spielen sie zu meinen Füßen „Oh, du schöner Westerwald“. Ich schiele durch die Ritzen meiner Klappläden und entdecke unten vorm Rathaus eine Blaskapelle. Alle Musiker tragen dunkelrote Jacken und schwarze Hosen und malträtieren ihre Instrumente, was das Zeug hält. Ein paar Melsunger stehen davor und  applaudieren. Das hat mir heute noch gefehlt! Langsam werden es immer mehr Zuhörer und die Kapelle legt jetzt richtig los. Ich trage es mit Fassung. Dann ist es zwölf. Die Uhr im Rathaus fängt an zu schlagen und ich muss raus aus meinem Turm. Ich fühle mich doch sehr geschmeichelt, weil heute so viele Menschen vorm Rathaus stehen, den Kopf in den Nacken gelegt und mir beim Bartenwetzen zusehen. Es sind nicht nur viele Fremde da, sondern auch zahlreiche Melsunger, was mich besonders freut. Guck an, Beckers Margrit riskiert heute auch mal einen Blick. Das hatten wir aber schon lange nicht mehr. Roths Hermann steht auch da unten, am Arm baumelt die Tüte mit der „Ahlen Wurscht“, die er heute hier auf dem Markt gekauft hat, löffelt eine große Portion Eis und guckt zu mir hinauf. Na, wenn das jetzt deine Anneliese sehen würde, dann gäbe es aber Ärger. Letzte Woche habe ich die beiden gesehen, und vor allen Dingen gehört, als sie vom AWG kamen und hier über den Platz gingen. Die Anneliese war ganz schön in Fahrt. Der Hermann hatte wohl 'ne neue  Hose bekommen, mit Dehnbund. „Hermann“, hat die Anneliese gesagt, „so geht es nicht weiter! Du wirst zu dick!“ „Ach, Anneliese, ich ess doch wirklich nicht viel!“ , hat der Hermann geantwortet. „Hermann, du isst zu viel Süßigkeiten. Das ist noch dein Untergang!“ „Ach, Anneliese, das bisschen Schnucken1!“ Dann sind sie in Richtung Brückenstraße verschwunden. Jetzt steht der Hermann da unten, ist mit Beckers Margrit am Schnuddeln2 und löffelt glücklich sein Eis, armer Dehnbund. Ich habe nun meinen Auftritt beendet und verschwinden wieder im Turm. Türen zu! Gott sei Dank, stehe ich jetzt wieder im Schatten. Die pralle Sonne auf dem Kopf, trotz Kappe, tut mir heute nicht gut. Augen zu, die Geräuschkulisse unten auf dem Platz irgendwie ignorieren, und noch ein bisschen schlafen, hoffentlich bis sechs. Die Uhr schlägt gerade mal drei und ich muss schon wieder an die Arbeit. Unten vorm Rathaus steht eine Gruppe Touristen. Ich bin noch gar nicht richtig wach, da öffnen sich schon die Klappläden. Es dauert bis ich endlich richtig in der Spur gehe. Die da unten werden schon ungeduldig. Ein Kegel-Club aus Wanne-Eickel hat eine Führung gebucht, einschließlich „Bartenwetzer“. Mir bleibt heute aber auch nichts erspart. Also, raus in das grelle Sonnenlicht, schnell wetzen und flugs wieder rein. 

4. Kapitel
Zeugen gesucht!

Am Dienstag morgen liest der Schorsch die „Melsunger Allgemeine“: „Vermutlich jugendliche Randalierer verwüsten Wiesen an der Uferpromenade !“ so lautet die Überschrift eines Artikels in der Abteilung Lokales. „In der Nacht zum Samstag haben Unbekannte die Wiesen an der Uferpromenade verwüstet. Die Grasnarbe wurde durch Inliner, Skateboards oder durch einen Schlitten stark in Mitleidenschaft gezogen. Von den Tätern fehlt jede Spur. Anwohner von Im Bitzen und der Brückenstraße haben in der Nacht von Freitag auf Samstag laute, quietschende Geräusche gehört, der Sache aber keine Bedeutung beigemessen. Die Polizei sucht nach Zeugen, die in der betreffenden Nacht auffällige Beobachtungen gemacht haben.“
„Mmh“, meint der Schorsch, „da fahr ich den Bartenwetzer nächstes Jahr am Besten mit dem Handwagen an die Fulle.“